• Bild: Harzklinikum Aktuell
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Ärzte im Wernigeröder Harzklinikum nutzen modernste 3-D-Operationstechnik

Ärzte im Wernigeröder Harzklinikum nutzen modernste 3-D-Operationstechnik

Wernigerode. Die OP-Lampe strahlt souverän wie immer. Punktgenau auf den kompletten Oberbauch und dabei so richtig hell. Doch das ist es nicht, dass das komplette Team im Operationssaal A des Wernigeröder Harzklinikums Sonnenbrillen tragen lässt. Der Blick auf die beiden großformatigen Monitore liefert die Erklärung: Die vier Frauen und zwei Männer tragen keine Sonnenbrillen, sie benutzen spezielle 3-D-Brillen. Vergleichbar jenen, die in Kinos und auf der heimischen Fernseh-Couch längst etabliert sind. Jetzt also auch bei den Operateuren der auf Eingriffe in den Bauchraum spezialisierten Klinik für Viszeralchirurgie in Wernigerode von Chefarzt Dr. Uwe Grahmann. An diesem Tag hat das OP-Team eine Gallenblase zu entfernen. Ohne die Brille erscheint dem ungeübten Betrachter das Monitorbild während der Operation als Farb-Mischmasch: Rot-, viele Gelb- und auch Weißtöne lagern kräftig nebeneinander. Keine klaren Bilder, wohl eher ein optisches Chaos. Wer jedoch genauer hinschaut, erkennt: Er sieht das Bild wirklich doppelt. Erst mit einer 3-D-Brille gibt es TV-Qualität im HD-Format. Dabei scheint es sogar so, als wolle sich die Gallenblase neben der tiefroten Leber so richtig fotogen präsentieren. Dreidimensional und lebensecht. „Für uns Operateure bedeutet dieses moderne Bildgebungsverfahren einen enormen Fortschritt“, berichtet Chefarzt Dr. Uwe Grahmann. Die Strukturen im Bauchraum werden dank der 3-D-Darstellung im Vergleich zur herkömmlichen 2-D-Technik „deutlich detaillierter dargestellt, das erhöht die Patientensicherheit“. Hinzu kommt, so der erfahrene Operateur, dass die laparoskopischen Eingriffe mit Hilfe dieser hochmodernen Technik die Operateure weniger ermüden. Die Hersteller-Firma Karl Storz beschreibt ihre Innovation so: „Eine Spezial-Videosoftware verarbeitet das von den beiden Bildsensoren gelieferten Bildsignale in Echtzeit zu einem hochaufgelösten 3-D-Video.“ Mit dem Vorteil, dass es „gestochen scharfe und absolut plastische Live-Bilder aus dem Körperinneren gibt.“ Das vereinfacht das Einschätzen von Abständen der anatomischen Strukturen und der OP-Instrumente zueinander. Im OP-Saal B führt Oberarzt Dr. Michael König unterdessen seine Instrumente souverän. Durch vier kleine Löcher im Bauch des Patienten. Schlüsselloch-Operation sagt der Volksmund dazu. Als minimal-invasiven Eingriff bezeichnen das die Ärzte. Die Gallenblase muss entfernt werden, das Team hat sich für diesen laparoskopischen Eingriff entschieden, der längst medizinischer Standard ist. Weil sich an der Spitze des Instruments zwei winzige Kameras befinden, liefern ihre Bilder einen prächtigen Raumblick – für denjenigen, der eine 3-D-Brille trägt und sich wie in diesem Fall im menschlichen Bauchraum bestens anatomisch zurechtfindet. Die Gallenblase wird von der Leber getrennt, der Gallenkanal bleibt dabei erhalten. Mit ständigem Blick auf den Monitor benutzt der Oberarzt das nur wenige Millimeter große Ultraschall-Skalpell. Kurz danach wird die Gallenblase – noch immer im Bauch des Patienten – in ein Kunststoffsäckchen manövriert. Unter der 3-D-Brille glaubt man, das Behältnis ähnelt einem mächtigen Jutesack. In Wirklichkeit ist das Säckchen keine zehn Zentimeter lang und kann daher prima durch die schlanken Instrumente hinaus gelangen. Das Harzklinikum hat in vielen Jahren positiven Erfahrungen mit dem 2-D-Laparoskopie-Turm der Firma Storz sammeln können. Auch dieses Gerät verrichtet noch immer seinen Dienst, wird in den OP-Sälen A und B regelmäßig von den Bauchchirurgen und den Gynäkologen genutzt. Das kommunale Harzklinikum hat sich bewusst für diese 3-D-Technik entschieden, dafür eine sechsstellige Summe investiert. Nicht, um damit in der Region das einzige Krankenhaus zu sein, das das derzeit aktuellste Bildgebungsverfahren verwendet. Vielmehr, um den Fortschritt der Medizintechnik an seine Patienten weitergeben zu können.