• Bild: Harzklinikum Aktuell
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Bei Schlaganfall zählt jede Minute

Harzklinikum zählt zu bundesweit 114 Krankenhäusern mit neuro-radiologischer Akutversorgung

Gute Nachrichten für Schlaganfallpatienten aus der Harzregion: Nach Mitteilung der Chefärzte am Harzklinikum Dorothea Christiane Erxleben Dr. Robert Fiedler (Radiologie) und Dr. Frank Dömges (Neurologie), ist auf einer aktuellen Deutschlandkarte der führenden radiologischen Fachzeitschrift mit Angaben über jene bundesweit 114 Krankenhäuser, die nach einem Schlaganfall eine neuro-radiologische Akutversorgung anbieten können, auch das Harzklinikum in Wernigerode aufgeführt.

Wernigerode. In der Therapie des Schlaganfalls gibt es eine weitere Innovation: die Thrombektomie. Die bisherige Standardtherapie von besonders schweren Schlaganfällen, ausgelöst durch einen Verschluss eines großen hirnversorgenden Blutgefäßes, bestand allein in dem Versuch der Auflösung des gefäßverstopfenden Blutgerinnsels durch ein spezielles, intravenös verabreichtes Medikament. „Diese Therapie führt jedoch nur bei einem kleinen Teil der betroffenen Patienten zu einer Öffnung der verschlossenen Schlagader als Voraussetzung für eine relevante Verbesserung der meist sehr schwerwiegenden Symptome und Beeinträchtigungen“, so Dr. Robert Fiedler, Chefarzt der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Harzklinikum.

Seit wenigen Jahren können diese Gerinnsel mit Hilfe eines von der Leiste in die Hirngefäße vorgeschobenen Katheters in Kombination mit einem über den Katheter eingebrachten, drahtgeführten Werkzeugs meist komplett entfernt werden, dieser Eingriff wird als Thrombektomie bezeichnet. „Erfolgt diese Behandlung rechtzeitig, also innerhalb weniger Stunden, verbessern sich die Schlaganfallsymptome bei einem großen Teil der Patienten in dem Maße, dass sie ein mehr oder weniger unbeeinträchtigtes Leben führen können“, schätzt Dr. Frank Dömges, Chefarzt der Klinik für Neurologie ein.
Die Verbesserung der Behandlungsergebnisse durch die Thrombektomie mit dem „Hirnkatheter“ konnte 2015 in fünf großen, voneinander unabhängigen klinischen Studien belegt werden. „Die Entfernung des Blutgerinnsels aus dem verstopften Hirngefäß nehmen nur Neuroradiologen oder spezialisierte Radiologen vor. Diese waren früher eigentlich nur an Universitätskliniken und anderen Großkliniken tätig“, erklärt Dr. Robert Fiedler. Das Verlegen eines Schlaganfallpatienten in eine Uni-Klinik bedeutet allerdings eine unvermeidbare erhebliche Zeitverzögerung bis zur Einleitung der rettenden Therapie. „Bei kaum einer anderen Erkrankung ist der Zeitfaktor jedoch so entscheidend wie bei der Schlaganfalltherapie.

 

Mit jeder verlorenen Minute geht nicht durchblutetes Gehirngewebe unwiederbringlich verloren“, warnt Chefarzt Dr. Frank Dömges.
In Deutschland gibt es derzeit etwa 280 auf die Schlaganfallbehandlung spezialisierte Krankenhäuser mit sogenannten Schlaganfallstationen (Stroke Unit), das Harzklinikum gehört dazu. Lediglich 114 dieser Kliniken haben auch Thrombektomien vornehmen können, geht aus der statistischen Erfassung und externen Qualitätssicherung der Deutschen Gesellschaft für interventionelle Radiologie (DeGIR) hervor, die für die Koordination der Schlaganfallbehandlung zuständig ist.
In Sachsen-Anhalt gibt es solche Eingriffe an den Universitätskliniken in Halle und Magdeburg, an Krankenhäusern in Dessau und Magdeburg sowie am Wernigeröder Harzklinikum, an dem seit 2015 regelmäßig Thrombektomie-Behandlungen bei Schlaganfall-Patienten vorgenommen werden. „Dadurch konnten Patienten von dieser innovativen Behandlungsmöglichkeit profitieren und eine die Heilungschancen signifikant verschlechternde, weil zeitraubende Verlegung in eine der Uni-Kliniken in Magdeburg oder Halle vermieden werden“, betont Chefarzt Dr. Robert Fiedler.

Radiologe Dr. Robert Fiedler (l.) Neurologe Dr. Frank Dömges