• Bild: Harzklinikum Aktuell
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Gesundheit braucht Kompetenz

Clips halten drei Flügel

Erste Patientin am Harzklinikum in Quedlinburg erhält moderne Therapie wegen undichter Herzklappe

In jedem Herbst veranstaltet die Deutsche Herzstiftung die „Herzwochen“. Diese Kampagne richtet sich an Patientinnen und Patienten sowie Angehörige, Interessierte und medizinische Fachkräfte – in diesem Jahr ist der Bluthochdruck das Thema. Passend zur 2021er-Herzwoche informiert Chefarzt Dr. Sven Fischer als Leiter des Herzzentrums Harz jetzt über einen erstmals am Harzklinikum Dorothea Christiane Erxleben vorgenommenen Eingriff an einer undichten Herzklappe.

Quedlinburg. Erstmalig ist am Harzklinikum in Quedlinburg einer Herz- Patientin ein sogenannter Tricuspidalklappen-Clip implantiert worden. Ein solcher Clip wird verwendet, um eine undichte Herzklappe auf der rechten Herzseite abzudichten. Das Harzklinikum zählt damit zu den drei Krankenhäusern in Sachsen-Anhalt, neben zwei Magdeburger Häusern, das diese schonende Therapieform anbieten kann, so Dr. Sven Fischer als Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Geriatrie sowie Leiter des Herzzentrums Harz.

Von Luftnot über eine geringere Leistungsfähigkeit bis zu lebensbedrohlichen Wasseransammlungen in der Lunge, im Bauch und den Beinen – solche Auswirkungen kann eine undichte Herzklappe haben, so der Kardiologe. Herzklappen wirken wie eine Art Ventil, damit das Blut nicht in die falsche Richtung strömt. „Sind diese nicht mehr richtig dicht, sprechen wir von einer Herzklappeninsuffizienz“, so der erfahrene Herzspezialist. Diese Insuffizienz kann das Herz und seine Leistung schwächen. Da betroffene Frauen und Männer meist ein fortgeschrittenes Alter aufweisen und an weiteren Erkrankungen leiden, ist in vielen Fällen eine aufwändige Operation am offenen Herzen zu gefährlich. Dr. Sven Fischer: „Deshalb hat sich seit einigen Jahren das Mitralklappen-Clipping etabliert, eine schonende Behandlungsmethode – auch bei uns am Harzklinikum.“ Diese wird genutzt, um die Mitralklappe in der linken Herzseite abzudichten. Eine Insuffizienz kann aber auch auf der rechten Seite auftreten – an der sogenannten dreiflügeligen Tricuspidalklappe. Diese Herzklappe verfüge über „eine äußert komplizierte Klappenstruktur. Die Segel sind nahezu durchsichtig und deutlich verletzlicher als jene der Mitralklappe“, beschreibt der Chefarzt die Herausforderung für die behandelnden Ärzte. Und fügt hinzu: „Zudem liegen die Segel der Tricuspidalklappe nicht in einer Ebene. Das erschwert die bildliche Darstellung des Herzen mit Hilfe der sogenannten Echokardiographie deutlich“. Bei dem Eingriff ist die millimetergenaue und räumlich korrekte Position des Clips von entscheidender Bedeutung. Deshalb wird die Tricuspidalklappe per sogenanntem Schluck- Herzultraschall auf einem Monitor dargestellt. In dem jetzt erstmals in Quedlinburg angewendeten Verfahren werden jeweils zwei der drei Klappensegel über einen sogenannten Clip miteinander verbunden.

Erster Tricuspidalklappen-Clip erfolgreich implantiert
Die Tricuspidalklappe ist wesentlich seltener von einer Klappenerkrankung betroffen, als die verwandte zweiflügelige Mitralklappe. Laut Chefarzt Dr. Sven Fischer waren lange Jahre die therapeutischen Möglichkeiten bei deren Insuffizienz vor allem auf medikamentöse und in eher seltenen Fällen auf chirurgische Verfahren, wie die Rekonstruktion oder der Ersatz der Klappe beschränkt. Das zunächst für die Mitralklappe konzipierte Clippingverfahren hat sich als derzeit beste Technik auch für die Tricuspidalklappe etabliert. „Wir haben einer 75-jährigen Patientin den ersten Clip für die Tricuspidalklappe in unserer Klinik implantiert“ so Dr. Sven Fischer. Nach diesem erfolgreichen Eingriff kann ihr Herz das Blut wieder in die richtige Richtung pumpen, und die Symptome gehen zurück. Bereits seit 2015 verfügt seine Quedlinburger Klinik über einschlägige Erfahrungen in der Reparatur der Mitralklappe durch das Clipverfahren. Das Anwenden dieser neuen Methode bedeute daher zugleich die Fortführung der langjährigen hochmodernen Herz-Medizin am Harzklinikum. „Die Methode des Tricuspidal-Clippings ist quasi die gleiche wie beim Mitral- Clipping, sodass wir unsere in den vergangenen Jahren gewonnene Expertise dabei gut nutzen können“, urteilt der Chefarzt.


Schonende Behandlung ohne Operation am offenen Herzen
Bei dem sogenannten minimalinvasiven Eingriff zur Reparatur dieser Herzklappen wird ein Katheter über die Leistenvene bis zur rechten Herzklappe vorgeschoben. Über diesen Katheter wird der Clip in die Tricuspidalklappe geführt. Die Ränder der undicht gewordenen Klappensegel werden mit diesem Clip wie mit einer Klammer fixiert und abgedichtet. Chefarzt Dr. Sven Fischer: „Für viele ältere Patienten mit einer Tricuspidalklappen-Insuffizienz bedeutet dieses risikoarme, minimalinvasive Verfahren anstelle einer Operation am offenen Herzen häufig die einzige Chance, eine Verbesserung ihrer Lebensqualität zu erreichen.“