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EKG-Handyfoto aus Rettungswagen direkt ins Herzkatheterlabor

Premiere im Harzkreis: Eine Handy-App kann helfen, Leben zu retten. Noch aus dem Rettungswagen heraus werden die ersten Untersuchungsergebnisse in das Harzklinikum Dorothea Christiane Erxleben übermittelt. Ärzte im Herzkatheterlabor in Quedlinburg können sich sofort das Foto eines EKG ansehen.

Quedlinburg. Noch aus dem Rettungswagen heraus können ab sofort die ersten Untersuchungsergebnisse in das Herzkatheterlabor des Harzklinikums Dorothea Christiane Erxleben in Quedlinburg übermittelt werden. Besteht der Verdacht, der Patient hat einen Herzinfarkt erlitten, wird ein sogenanntes EKG angefertigt. Diese Elektrokardiografie misst die Herzaktivität und zeichnet diese in Kurvenform auf. Ob das Herz einwandfrei arbeitet oder aber ein Infarkt vorliegt, weiß der Arzt anhand der EKG-Daten. Sprechen die Symptome und ersten Untersuchungsergebnisse für einen Herzinfarkt, ist Eile geboten. Denn: Jeder Herzinfarkt kann jederzeit zum plötzlichen Herzstillstand führen. Nur wenn der Patient unverzüglich in eine Klinik mit Herzkatheterlabor eingeliefert wird - dazu zählt das Quedlinburger Harzklinikum - kann das verschlossene Herzgefäß wieder geweitet werden. Je zeitiger dies geschieht, umso geringer ist der Schaden, den das Herz erleidet, erläutert Dr. Christoph Schenk, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Harzkreis.
Gemeinsam mit Dr. Sven Fischer, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Leiter des Herzzentrum Harz im Quedlinburger Harzklinikum, hat er entschieden, eine Handy-App zum Übertragen des EKG zu nutzen. Die im Rettungsdienst tätigen Notärzte müssen dafür die App „Siilo" auf ihr Mobiltelefon laden und im Adressbuch den Kontakt zum diensthabenden Arzt im Herzkatheterlabor speichern. „Die Notarzt-Kollegen fotografieren die infarkt-verdächtige EKG-Kurve und senden dieses Foto per App ins Herzkatheterlabor. Danach melden sie telefonisch den Patienten zur Untersuchung an, so wie bisher auch", beschreibt Dr. Christoph Schenk das Vorgehen im Notfall im Rettungswagen. Die „Siilo"-App gilt als zuverlässig beim Übertragen sensibler Daten, sie steht für alle gängigen Betriebssysteme zur Verfügung. Sowohl das Deutsche Ärzteblatt als auch die Datenschutzbeauftragte im Harzkreis haben der „Siilo"-Nutzung zugestimmt, so der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes. Bislang können die Notärzte per Handy ausschließlich das Herzkatheterlabor im Quedlinburger Harzklinikum erreichen. Die EKG-Übertragung auch in das Halberstädter Krankenhaus, ist das Ziel des ärztlichen Chefs des Harzer Rettungsdienstes.
Was bedeutet diese Neuerung für die Patienten? „Wir gewinnen kostbare Zeit“, fasst Chefarzt Dr. Sven Fischer den wichtigsten Vorteil zusammen. Bislang hat erst die Untersuchung im Herzkatherlabor die Gewissheit eines Infarkts erbracht. Allerdings, Notfall-Untersuchungen haben immer ein höheres Risiko als geplante Eingriffe. „Dann können wir beispielsweise zunächst die Funktion von Schilddrüse und Nieren überprüfen, ein geplanter Eingriff bedeutet immer weniger Komplikationen“, so der Mediziner. Jetzt kann der diensthabende Arzt im Quedlinburger Herzkatheterlabor - das ist rund um die Uhr an sieben Tagen der Woche einsatzbereit - bereits auf dem EKG-Foto erkennen, ob eine „verdächtige Kurve“ auf einen Herzinfarkt hinweist. „Drei Säulen weisen auf einen Infarkt hin: die typischen Beschwerden, das EKG und die Blut-Untersuchung auf Schädigung des Herzmuskels durch das Labor. Sprechen bereits zwei Punkte dafür, gehen wir von einem Infarkt aus“, weiß der Chefarzt am Harzklinikum. Erst im Herzkatheterlabor kann ein Infarkt am Herz lokalisiert und behandelt werden. „Das Senden des EKGs noch aus dem Rettungswagen bedeutet für die Patienten eine höhere Überlebenschance“, betont Dr. Sven Fischer.