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Gesundheit braucht Kompetenz

Harzer Gesundheitsgespräch zur modernen Schrittmachertherapie

Quedlinburg. Quedlinburg. „Stimulation des Herzens 2020 – moderne Schrittmachertherapie“ lautet der Titel des nächsten Harzer Gesundheitsgespräches am Harzklinikum Dorothea Christiane Erxleben. Dr. Daniela Selbig, Leitenden Oberärztin der Klinik für Innere Medizin, spricht dazu am Mittwoch, 26. Februar, um 17 Uhr im Tagungszentrum des Quedlinburger Harzklinikums im Ditfurter Weg 24.

Die Schrittmachertherapie existiert seit mehr als 60 Jahren. Das erste Gerät, ein 1-Kammer-Schrittmacher, wurde 1958 in Schweden durch den Herzchirurgen Dr. Ake Senning implantiert. Die Schrittmacherimplantation ist inzwischen zu einer Standardtherapie avanciert. Allein in Deutschland werden führend in Europa mehr als 1200 Geräte pro eine Millionen Einwohner pro Jahr eingesetzt, also rund 96 000 Schrittmacher.
Dr. Daniela Selbig: „Die Geräte- und Sonden-Technologien haben sich über die Jahre verbessert. So werden z. B. hohe Energiewerte der Sonden im Einheilungsprozess durch das Freisetzen entzündungshemmender Medikamente vermieden." Geräte und Sonden der neuen Generationen sind unter definierten Rahmenbedingungen MRT-fähig geworden. „Wir haben auch gelernt, dass die alleinige Stimulation des Herzens nicht ausreichend ist, sondern dass diese an die Krankheitsbilder angepasst eingesetzt werden sollte. Ja, dass sogar eine zu hohe Stimulationsrate in der rechten Herzhauptkammer zu einer Abnahme der Herzleistung führen kann", erklärt die Medizinerin.
Die Stimulation am richtigen Ort im Herzen und wenn möglich das Vermeiden einer Stimulation sind für den Erfolg der Schrittmachertherapie entscheidend. Heute werden 1-, 2- und 3-Kammer-Stimulationsssysteme unterschieden, die je nach Befund durch den Arzt eingesetzt werden. Dabei ist die richtige, an den individuellen Patienten angepasste Programmierung der Software entscheidend. Daher sollte der Kardiologe sowohl Verständnis für die Gerätetechnik und die Indikationsstellung haben, als auch die Implantation und Programmierungsmöglichkeiten beherrschen.
Mit dem Segen der Schrittmachertherapie häufen sich die Schattenseiten. Die Palette an möglichen Komplikationen ist groß. Diese reicht von anatomischen Varianten bei der Implantation über Sondenprobleme (Brüche, Isolationsdefekte, Sonden-Verlagerungen) bis zu Infektionen von Herzklappen und Perforationen der Schrittmachertasche. Kann der zukünftige moderne Schrittmacher vielleicht auf Elektroden verzichten, um solche Probleme zu vermeiden? Eine erste Generation mit der Technologie eines sondenfreien Schrittmachers existiert bereits seit 2016. Eine Kapsel, die in der rechten Herzkammer verankert wird und Schrittmacher und Sonde vereint. Aktuell bestehen hierbei noch Einschränkungen. Die Geräte können bislang alleinig nur als 1-Kammer-Schrittmacher in der Hauptkammer fungieren und sind teurer als die Standardversorgung. Daher müssen die für eine solche Behandlung in Frage kommenden Patienten gezielt ausgewählt werden. 2- und 3-Kammer-Stimulationssysteme sondenfrei zu entwickeln, gestaltet sich als eine technische Herausforderung und hat bisher zu keinem einsetzbaren Konzept geführt. Oberärztin Dr. Daniela Selbig: „Wir können also auch in der Zukunft mit neunen Technologien in der Herzstimulation rechnen. Seien wir gespannt darauf!“