• Bild: Harzklinikum Aktuell
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Gesundheit braucht Kompetenz

Kälte und Höhe belasten Brockenwanderer besonders

Reichlich Schnee und heftiger Sturm auf dem Brocken dieser Tage bedeuten auch für Wanderer eine besondere Herausforderung. Auf Anfrage der Lokalredaktion der Mitteldeutschen Zeitung in Quedlinburg hat Dennis Olschweski, Facharzt für Notfall- und für Arbeitsmedizin sowie Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes und Oberarzt in der Interdisziplinären Notaufnahme des Harzklinikums Dorothea Christiane Erxleben in Wernigerode aus medizinischer Sicht Hinweise für eine gefahrlose Bergtour gegeben.

 

Wie wirkt die Kälte auf den Körper?

Es kommt zur Steigerung des Stoffwechsels, konkret Steigerung der Herzfrequenz, von Blutdruck und Atemfrequenz. Damit verbunden ist eine höhere Belastung für Herz, Lungen und Muskulatur.

 

Was sind mögliche gesundheitliche Folgen?

Durch die Kälte und auch die größere Höhe über dem Meeresspiegel - in Hinblick auf eine Brocken-Winterwanderung - werden Herz, Lunge und Muskulatur besonders belastet. Kälte begünstigt Infektionskrankheiten. Untrainierte, ältere und bereits erkrankte Menschen können schlimmstenfalls Atemnotattacken oder auch Herzanfällen erleiden.

 

Wer sollte auf solche Touren lieber verzichten?

Patienten mit schweren Herz- und Kreislauferkrankungen (z.B. hoher Blutdruck, stark schwankendem Blutdruck, Herzinsuffizienz/- schwäche, Thrombose-Neigung), schweren Lungenerkrankungen (z.B. Asthma bronchiale, Lungenemphysem), schlecht einstellbaren oder schweren Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen) oder auch schweren Störungen der Immunabwehr sollten vor einer anstrengenden Bergwanderung eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung gemeinsam mit ihrem Hausarzt/Facharzt vornehmen.

 

Was ist zu beachten?

Eine signifikante Steigerung der gesundheitlichen Gefahren wird erst ab einer Höhe von 2200 Metern über Normalnull beschrieben. Allerdings sollte der untrainierte Wanderer auch die Brockenhöhe von rund 1100 Metern nicht unterschätzen. Wichtig ist eine gute Vorbereitung: Dazu gehören eine der Witterung und dem Gelände angepasste, also wärmende und schützende Kleidung, auch geeignetes Schuhwerk, um knöcherne Verletzungen durch Umknicken/Stürzen entgegenzuwirken. Die Tour sollte bei Tageslicht geplant werden, gegebenenfalls ist eine Taschenlampe im Gepäck zu führen. Bei Bergtouren ist generell zu beachten, dass ausreichend getrunken und gegessen wird. Mit zunehmendem Lebensalter sinkt das Durstgefühl, hierbei ist besondere Aufmerksamkeit geboten; auch sollten ausreichende Pausen eingeplant werden. Aus medizinischer Sicht gilt außerdem: Der Alkoholkonsum auf solchen Wanderungen im Gebirge einzuschränken, am besten ganz darauf verzichten. Vorerkrankten Menschen ist zu raten, dass sie ihren Medikamentenplan und eventuelle Notfallmedikamente stets im Gepäck haben.

Dennis Olschweski, Oberarzt in der Notaufnahme des Harzklinikums Dorothea Christiane Erxleben in Wernigerode, zu möglichen Gefahren von Wanderungen im Gebirge, speziell von Bergtouren auf den winterlichen Brocken.