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Gesundheit braucht Kompetenz

Lachen, Zuhören, Kommunikation – Themen beim 14. Pflegeforum

Wernigerode: Das hat es im Wernigeröder KiK so noch nicht gegeben: Knapp 200 Frauen und Männer aus dem Pflegebereich singen kurz nach 8 Uhr gemeinsam Beethovens „Freude schöner Götterfunken". Dirigiert von Prof. Gernot Schulz, einem Musiker und früheren Dirigenten der Berliner Philharmoniker, der mit Größen seiner Branche wie Leonard Bernstein und Herbert von Karajan eng zusammengearbeitet hat. Und warum erklingt an diesem herbstlichen Morgen die „Europa-Hymne?"
Gernot Schulz ist einer der Referenten des 14. Wernigeröder Pflegeforums, das das Harzklinikum Dorothea Christiane Erxleben erneut ausgerichtet hat. Mitarbeiter- innen und Mitarbeiter aus Krankenhäusern, Reha-Kliniken, Pflegeeinrichtungen und von ambulanten Pflegedienstleistern, vor allem aus Sachsen-Anhalt und Niedersachsen sind Teilnehmer dieser inzwischen fest etablierten Fortbildungsveranstaltung. Und der gemeinsame Gesang war eine Art Kommunikationsübung …
In diesem Jahr spielen Themen wie Kommunikation, die zahlreichen gesetzlichen Veränderungen im Gesundheitswesen und das Gewinnen von Fachkräften eine große Rolle. Dr. Peter Redemann bezeichnet als Geschäftsführer des Harzklinikums die neuen gesetzlichen Regelungen, dass der Pflegebereich im komplizierten Abrechnungsmodus der Krankenkassen künftig über ein eigenes Budget verfüge, als große Chance. Zugleich muss er erneut auf die insgesamt schwierige finanzielle Lage der deutschen Krankenhäuser aufmerksam machen: Die Länder haben einen millionenschweren Investitionsstau zu verantworten, Banken würden den Klinikmarkt zunehmend als risikoreich betrachten – das sorge vielenorts für große Herausforderungen. Für die Zukunft wünscht sich Gundula Kopp als Pflegedirektorin des Harzklinikums ein noch intensiveres Zusammenarbeiten im Pflegebereich von Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen und ambulanten Pflegediensten: „Das klappt schon gut, im Interesse unserer gemeinsamen Patienten können wir das gewiss noch verbessern." In 18 Monaten seiner Dienstzeit habe Gesundheitsminister Jens Spahn 18 Gesetzesänderungen auf den Weg gebracht. „Wir alle merken, da ist ganz viel in Bewegung", schätzt Henry Raffler, Vorsitzender des Landespflegerates und Pflegedirektor des BG-Krankenhauses Bergmannstrost in Halle, ein. Dass die Pflege am Patientenbett auch personell gestärkt werden soll, ist gut und richtig. Allerdings, so Raffler, allein die bevorstehenden Verhandlungen mit den Krankenkassen zur gesetzlich geforderten Übernahme der Pflegekosten „werden sicher spannend sein".
Zurück zur Musik. In einem Orchester, so Dirigent Gernot Schulz, reiche es nicht, dass alle seine Musiker virtuos spielen können. Es bedarf einer gelungenen Kommunikation, um gemeinsam erfolgreich zu sein. Das gelte selbstverständlich für alle Teams in allen Branchen: „Wichtig ist die Fähigkeit zuzuhören, einander wahrzunehmen, Respekt für die Tätigkeit des anderen zu haben. Gemeinsam erfolgreich kann man nur sein, wenn man zuvor gemeinsam sein Ziel definiert hat und in der Kommunikation stets sowohl das Hirn als auch das Herz erreicht“, schätzt der Musiker ein. Im Wernigeröder Pflegeforum haben die Experten aus dem Pflegebereich in diesem Jahr auch über das Gewinnen von Fachkräften gesprochen, sich über das künftige Pflegebudget informiert und sich mit der aktuellen Rechtsprechung im Pflegealltag vertraut gemacht. Zum Gelingen dieses Forums, so schätzt es Petra Marquardt, Pflegedienstleiterin am Wernigeröder Harzklinikum als Organisatorin ein, haben erneut jene Firmen beigetragen, die sich auf der Industrieausstellung attraktiv präsentiert haben. Apropos Kommunikation: „Lachen schadet Ihrer Krankheit!“ findet Matthias Prehm. Der ausgebildete Fachkrankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie betätigt sich inzwischen als Referent. Er möchte erreichen, dass die Menschen im Berufsalltag humorvoller, team- und widerstandsfähiger, somit insgesamt glücklicher sind. „Jeder achtet immer und ständig, dass der Akku des Handys gut geladen ist. Achten wir mit der gleichen Aufmerksamkeit auf unseren persönlichen Akku aus Gesundheit, Freude, Familie, Beruf und Glück?“ Für Matthias Prehm steht fest: Glückliche Menschen können mehr leisten! (tk)