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Gesundheit braucht Kompetenz

Zu viel Sonne über Mallorca oder Ostsee - das ist dem Hautkrebs egal

Prof. Dr. Jens Ulrich, Chefarzt der Hautklinik erneut „Top-Mediziner“

Der „Focus“ hat auch in diesem Jahr Prof. Dr. Jens Ulrich, Chefarzt der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Harzklinikum Dorothea Christiane Erxleben, als "Top-Mediziner" im Bereich Hautkrebs ausgezeichnet, wie bereits im Jahr 2019. Darüber und über das Hautkrebsrisiko im "Corona-Jahr" war Unternehmenssprecher Tom Koch mit dem Mediziner im Gespräch. Prof. Dr. Ulrich, die Corona-Pandemie hat für viele Menschen auch massive Änderungen ihrer Urlaubspläne zur Folge: Statt Sommerferien in der Türkei, in Ägypten oder in Spanien gibt es nun Urlaub im Harz, an der Ostsee, an Seen in Brandenburg – kurzum daheim in Deutschland. Aus der fachlichen Sicht eines Dermatologen: Sind das gute Aussichten für unsere Haut? Prof. Dr. Jens Ulrich: Die Aussichten sind weder besser noch schlechter! Wie so oft im Leben gilt, die Dosis macht das Gift. Ein Sommerurlaub am Mittelmeer mit entsprechendem Lichtschutz ist ja nicht schädlicher als der täglich stundenlange ungeschützte Aufenthalt in der Sonne an der Ostsee oder im Harz. Dem Hautkrebs ist es demnach egal, ob es die Sonne über Afrika oder über dem Harz ist, die sein Wachstum befördert, die diese Krankheit erst ausbrechen lässt? Prof. Dr. Jens Ulrich: Dem Krebs ist das prinzipiell egal. Allerdings macht es schon einen Unterschied, wo ich mich geographisch befinde. Je näher am Äquator, desto höher ist der zu erwartende Tagesspitzenwert der sonnenbrandwirksamen UVStrahlung, den wir auch als UV-Index bezeichnen. Der UV-Index wird im Rahmen der Wettervorhersage mitgeteilt, so dass man sich hier über das Sonnenbrandrisiko aus der Tageszeitung oder im Internet informieren kann. Was sollten die Menschen beim Aufenthalt im Freien beachten, welche Regeln beachten, um Ihre Haut vor zu großer Sonnenstrahlung zu schützen? Prof. Dr. Jens Ulrich: Zunächst sollte jeder sein persönliches Sonnenbrandrisiko kennen. Ein Mensch mit sogenanntem keltischem Hauttyp - helle Haut und rötliche Haare - hat ein viel höheres Risiko als ein mediterraner Typ - dunklere Haut und dunkle Haare - und darf demnach nur kürzer ungeschützt in der Sonne verweilen, um keinen Sonnenbrand zu bekommen. Ansonsten gelten die Regeln, kein ungeschützter Aufenthalt in der Sonne um die Mittagszeit. Wenn möglich, einen textilen Lichtschutz wie Bekleidung und Kopfbedeckung tragen.
Und selbstverständlich: Den Lichtschutz in Form von Sonnenschutzcreme nicht vergessen! Dabei ist darauf achten, dass dieser Schutz in ausreichender Menge, an allen unbekleideten Arealen des Körpers und bei längerem Aufenthalt mit wiederholtem Eincremen angewendet wird. Ist von Krebserkrankungen die Rede, verbinden damit viele Menschen vor allem Brust-, Darm- oder auch Prostatakrebs. Wie häufig sind eigentlich Krebserkrankungen der Haut, gibt es dabei unterschiedliche Arten? Prof. Dr. Jens Ulrich: Hautkrebs-Erkrankungen sind die häufigsten Krebserkrankungen des Menschen überhaupt. In Deutschland erkranken jährlich etwa 120 000 Menschen an hellem Hautkrebs und etwa 18 000 am sogenannten schwarzen Hautkrebs. Prof. Dr. Ulrich, seit mehr als 14 Jahren sind Sie Chefarzt der Hautklinik am Quedlinburger Harzklinikum, leiten seit 2009 das dortige Hautkrebszentrum. Welche Entwicklung hat das Zentrum seither genommen - auch angesichts der gerade von Ihnen genannten Zahlen zu den neu an Hautkrebs Erkrankten? Prof. Dr. Jens Ulrich: Das Hautkrebszentrum Harz kann auf eine sehr erfolgreiche Entwicklung verweisen. Wir haben uns in den vergangenen Jahren kontinuierlich zu einem überregionalen Zentrum der Behandlung von Hautkrebserkrankungen entwickelt und betreuen inzwischen mehr als 600 neue Patienten mit Hautkrebserkrankungen pro Jahr. Dabei ist die Tendenz steigend. Leider! In der Behandlung von Krebserkrankungen ist aktuell von neuen Therapieformen zu hören. Was können Sie berichten? Prof. Dr. Jens Ulrich: Zum Thema neue Behandlungsmöglichkeiten von Krebs gibt es glücklicherweise so viel Neues zu berichten, dass das bei weitem den Rahmen an dieser Stelle sprengen würden. Daher nur kurz: Die Behandlungen werden immer individueller. Dank neuer Möglichkeiten in der Entschlüsselung von „Schwachstellen“ des Krebses gelingt eine immer mehr zielgerichtete Therapie. Anderseits sind in den vergangenen Jahren immer größere Fortschritte in der Immuntherapie erzielt worden. Das erhöht zwangsläufig die Komplexität von Therapieentscheidungen. Diese werden bei uns am Harzklinikum deshalb stets im Rahmen einer interdisziplinären Tumor-Konferenz getroffen, indem Spezialisten aus verschiedenen Fachrichtungen gemeinsam für jeden Patienten die ganz individuelle Therapiestrategie festlegen. Herzlichen Glückwunsch Herr Chefarzt Ulrich! Zum zweiten Mal in Folge sind Sie auf der „Focus“-Liste der „Top Mediziner“ in Deutschland vertreten. Was bedeutet Ihnen diese Anerkennung, einer von bundesweit 46 Hautärzten zu sein, die zu den Besten ihres Faches zählen? Prof. Dr. Jens Ulrich: Natürlich freue ich mich darüber, dass unsere Arbeit eine entsprechende Anerkennung findet. Allerdings ist das ja nie das Werk eines Einzelnen, sondern das Ergebnis der fleißigen Arbeit vieler Mitglieder meines Teams. Neben den Ärzten gehören vor allem auch die Pflege, Mitarbeiter der Funktionsdienste und des Studienzentrums und viele andere Helfer dazu. Insofern gilt diese Auszeichnung immer dem gesamten Team, bei dem ich mich auch auf diesem Weg recht herzlich für die geleistete Arbeit unter nicht immer einfachen Bedingungen bedanken möchte.

Prof. Dr. Jens Ulrich, Chefarzt der Hautklinik am Harzklinikum Dorothea Christiane Erxleben und Leiter des Hautkrebszentrums Harz in Quedlinburg, lässt sich von der Gesundheits- und Krankenpflegerin Schwester Alida Bebermeyer über einen Patienten informieren. Foto: Tom Koch/Harzklinikum